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Der Liebesbrief ist tot - es lebe die Liebesmail. Das Medium hat sich
gewandelt, aber die Gefühle bleiben dieselben, ja werden durch die Schnelligkeit
der Datenübertragung sogar noch angeheizt. Schon im Hollywoodstreifen
„Email für Dich“ war zu sehen, wie die Zuneigung zwischen zweien - zumal
wenn sie sich unbekannt sind - beim sehnsüchtigen Abfragen der Computerpost
immer weiter hochgeschaukelt wird.
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Es war eine heimliche, "friedliche" Revolution, die im Lauf der letzten
zehn Jahre stattfand - und doch das jüngste Kapitel im Krieg der
Geschlechter. Sie vollzog sich, als hätte niemand daran mitgewirkt,
und hat ihre Kinder - Frauen und Männer - doch mit Haut und Haaren
gefressen. [weiter]
Glaubt man den populären Medien, ist das brennendste Problem, das
sich den Liebenden von heute stellt, der Seitensprung. Kein anderes Sujet
beschäftigt die Illustrierten von "stern" bis "Max" so sehr wie das
"Kavaliersdelikt Fremdgehen", die "heimliche Liebe". [weiter]
Worauf achten Sie bei einem Mann zuerst - und worauf bei einer Frau?
Wären Sie manchmal gern eine Person des anderen Geschlechts? Was
würden Sie vorziehen: eine Partnerschaft ohne Sex oder eine ohne
Liebe? - Mit solchen "Fragen ohne Antworten", die Prominente den Lesern
stellen, schließt jedes Heft der Vogue, und ebenso reizvoll wie
die Lektüre dieser Fragen ist es für mich immer gewesen, mir
zu überlegen: Welche Fragen ohne Antwort trage ich mit mir herum?
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„Smile please“ steht auf dem kleinen Schild an der Wand - darunter sitzt
Günter Grass und beobachet mit versonnenem Lächeln seinen Verleger Gerhard
Steidl, der sich soeben in einem Fotostudio in Kalkutta fotografieren
läßt. Normalerweise werden hier Portraits heiratswilliger junger Frauen
angefertigt, die von ihren Familien, wie in Indien üblich, an die heiratsfähigen
Söhne anderer Eltern vermittelt werden sollen - weshalb der Fotograf,
ein weißhaariger Alter, sich nicht wenig über den ersten männlichen Kunden
seines Studios wundert. Doch Steidl ist fest entschlossen und möchte auch
Grass zu diesem Schritt bewegen. „Ich mache das nicht“, wehrt der schmunzelnd
ab. „Ich habe schon eine Frau. Ich bin sogar schon zum zweiten Mal verheiratet.“
Sagt es und rettet sich hinaus auf die Straße, hinein in das laute Gewusel
Kalkuttas, das ihn viel mehr lockt als ein weiterer Fototermin. [weiter]
Bei einem sommerlichen Abendessen, in einem Vorort Münchens, saßen
die Schriftsteller Bernhard Schlink, Dagmar Leupold und Uwe Timm zusammen
und gaben beim Tischgespräch den Anwesenden Einblick in ihre Arbeitsweisen.
Während der eine die gründliche Planung eines Romanvorhabens
und die andere die gleichzeitige Arbeit an mehreren Texten pries, stimmte
Uwe Timm mit blitzenden Augen das Lob der Löschtaste an. Wenn er
einen neuen Roman nicht in den Griff bekomme, sei es das Befreiendste
und Beflügelndste, das Geschriebene mit einem Tastendruck vom Computer
ins Datennirvana zu befördern - um mit entleerter Festplatte und
unbelastetem Geist von vorn zu beginnen. [weiter]
Welch zentrale Rolle in Don DeLillos Werk die Macht der Bilder in der
Gesellschaft an der Jahrtausendschwelle einnimmt, beweist eindrucksvoll
ein neues Drama des Schriftstellers, der seit langem zu den bedeutendsten
Nordamerikas zählt. In seinem Ende Januar uraufgeführen Stück
Valparaiso wird der Held von den Kameras der Bildreporter bis
ins letzte Detail seiner Biographie 'durchleuchtet', was ihn, weil er
dabei alles aus seinem Leben preisgibt, im Wortsinn das Leben kostet.
Eine finale Talk-Show wird für ihn zum jüngsten Gericht im Scheinwerferlicht
- und daß dieses ihn im Ort Valparaiso in Chile ereilt, dem Geburtsort
des Diktators Pinochet, läßt nur einen Schluß zu: Der
Held wird von den Fernsehinterviewern zu Tode gefoltert, das Individuum
durch die Massenbilder ausgelöscht. [weiter]
Eine große, plüschige Hotelhalle. Klaviermusik schäumt über die beigen
Polstersessel wie die Brandung, die ein paar Meter unterhalb der großen
Fenster an den Strand rauscht. Der Tee zum Aufgießen kostet sechs Dollar.
Drei Schriftsteller, alle Ende 30, sitzen hier und reden über Literatur
und Amerika. [weiter]
Seit seinem skandalösen Auftritt beim Klagenfurter Bachmann-Preis 1983,
als er sich vor laufenden Kameras in die Stirn schnitt, hat er nie wieder
ein Fernsehstudio betreten. Rainald Goetz verfolgt das Weltgeschehen aus
der Position des zurückgezogenen Beobachters, der auch Presse und Fernsehen
zu einem Dauergegenstand seiner literarischen Observation macht. „Ich
sehe wirklich so viel und so ununterbrochen fern, wie ich kann - und da
ich natürlich hauptsächlich an anderen Dingen arbeite, kann ich es oft
gar nicht genügend tun, so wie früher. Da hab ich zum Teil ganze Tage
ferngesehen.“ [weiter]
"Let's Go Berlin" - oder: "Get to know the german capital in just a few
days"... Es ist ein heißer Julitag, und ich habe mich zu einer "Escapade
à Berlin" aufgemacht, wie es der Titel des Mini-Guide Michelin
formuliert, einem touristischen Kurztrip durch die eigene Stadt. Mein
Ziel: Sightseeing, Shopping, Nightlife - und natürlich so viel wie
möglich über Land und Leute erfahren... [weiter]
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