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Off The Records

Die Wahrheit hinter den Polaroids: VIPs in literarischen Momentaufnahmen

 

 

 

Helmut Schmidt

Helmut Schmidt

ALTERSMILDE

Da steht er, der einstige "leitende Angestellte" der Republik: Er stützt sein Alter auf einen Stock und scheint sich nur mit der Selbstironie auf den Beinen zu halten, mit der er von sich sagt: "Ich war ein Angestellter auf täglicher Kündigung. Und tatsächlich hat man mich eines Tages rausgeschmissen." Stoisch gibt er sich auch noch der Neugierde des Reporters hin und antwortet auf die Frage, ob er altersmilder geworden sei: "Nö, glaub ich nicht. Ich rede etwas langsamer als früher, das ist der ganze Unterschied." Wie müde auch so ein "leitender Angestellter" a.D. sein mag: Das Alter ist ihm nur ein Jackett aus Blei, das weder Würde noch Geist zu Boden drücken kann.

 

 

 

 

 

Penelope Cruz

Penelope Cruz

TAPFERKEIT

Sie hockt barfuß auf ihrem Stuhl und blickt nicht einmal auf, als der Gast den Raum betritt. Ist das die Arroganz des Stars oder die Lebensgelassenheit einer Frau, die einmal glaubte, mit dem Flugzeug abzustürzen? "Anstatt Angst zu haben, habe ich fünfzehn Minuten unter der Sauerstoffmaske darüber nachgedacht, ob ich mein Leben ohne Mittelmäßigkeit gelebt habe, ob ich tapfer genug gewesen bin, alles zu sagen, was ich sagen wollte. Wie seltsam: ich hätte niemals gedacht, dass die meine Hauptsorge sein würde." Später geht sie barfuß durch das Foyer, eine kleine hübsche Spanierin, die man aus dem Urlaub zu kennen glaubt - und die ihren Weg verfolgt, ohne nach rechts und links zu schauen.

 

 

 

 

 

Inge und Walter Jens

Inge und Walter Jens

DIE EHE

Das Haus am Professorenhügel ist ein Flachbau aus den frühen 60ern. Müde winkt er zur Begrüßung von der Kellertreppe herauf, während sie, von oben kommend, mit hanseatischer Bestimmtheit den Ton angibt. Dreiundfünfzig Jahre sind sie verheiratet. "Wohl dem", stößt er aus, "der als erster stirbt".

 

 

 

 

 

Klaus Wowereit

Klaus Wowereit

GLAUBWÜRDIGKEIT

Sind die Augen der Spiegel der Seele? – Der einfachste Politiker-Test, sagt er mit grinsendem Blick, lautet: „Von wem fühlt man sich im Ausland würdig repräsentiert? Und wem würde man einen Gebrauchtwagen abkaufen?“ Nur – woher stammen diese Augen? „Aus Ostschlesien“, lacht er, „von meiner Großmutter: da sind die Hunnen durchgegangen.“ Klare Sache. Man fühlt sich durch diese Augen im Ausland gut repräsentiert. Aber man würde ihnen keinen Gebrauchtwagen abkaufen.

 

 

 

 

 

Sir Ben Kingsley

Sir Ben Kingsley

BEZIEHUNGSANGST

Vom ersten Moment an fixiert der kleine, wache Mann sein Gegenüber mit einem Lächeln, das tief aus seinen markanten Zügen kommt: "Männer haben mehr Angst vor Intimität als Frauen. Sie denken, wenn sie sich auf eine Beziehung einlassen, raubt man ihnen ihre Macht. Aber irgendwann senden die Götter jedem Mann eine Person, die ihm sehr nahe kommt - und dann sieh zu, wie du aus der Geschichte wieder rauskommst." Er ist in vierter Ehe mit einer Frau verheiratet, die halb so alt ist wie er selbst.

 

 

 

 

 

Isabella Rosselini

Isabella Rossellini

LIEBENSWÜRDIGKEIT

Es ist Nacht, sie kommt aus dem U-Bahn-Eingang herauf, eine gut aussehende Frau im blauen Kostüm, die die Augen auf das nasse Pflaster heftet und nur eines will: so schnell wie möglich nach Hause in ihre Zweizimmerwohnung. Als der Mann sich ihr von der Seite nähert und sie im Lichtkegel der Straßenlampe anspricht, wirft sie ihm einen verachtenden Blick zu. Solch eine Frau ist sie: die dann mit größter Liebenswürdigkeit auf seine Frage antwortet.

 

 

 

 

 

Hans Meyer

Hans Meyer

SEX VOR DEM SPIEL

Wenn er Fußballweisheiten von sich gibt, spitzt er den Mund so, dass nur Sätze in kleinen Buchstaben hindurchpassen. Sätze wie: „die bedeutung des trainers wird überschätzt“. „der schnellste mitspieler ist der ball.“ Oder: „kein sex vor dem spiel war schon immer die dümmste aussage, die ich kenne.“ Dann fügt er in Großbuchstaben hinzu: „Wenn man allerdings deswegen die ganze Nacht kein Auge zu bekommt: DANN – IST – SEX – TÖDLICH.“

 

 

 

 

 

George Clooney

George Clooney

DAS LEBEN ALS STAR

Die endlosen Tabakfelder in der sengenden Mittwestsonne, die Unbegrenztheit, die dieses Leben mit sich bringt: da ist einer, der tun und lassen kann, was er will. Und selbst wenn er auf falschem Fuß erwischt wird, mit verbeultem Grinsen, sieht er noch gut aus, verdammt. Er kann es nicht leiden und erst recht nicht ändern. Aber er sagt, „ich habe einmal Tabak in Kentucky geerntet. Damals habe ich jeden Star gehasst, der sich über das Starsein beschwert hat.“